Über uns

Nachdem durch den 1. Weltkrieg und den daraus aufgezwungenen Verträgen die deutsche Fliegerei ein Schattendasein fristete, wurde der fliegerische Gedanke in den 20ern des 20. Jahrhunderts von Studenten aufgegriffen. Mit dem Ziel, die Fliegerei wieder zu aktivieren und studentische Traditionen zu pflegen, fanden sich junge Akademiker am 4. Juni 1924 in der damaligen Grazer Mensa im Meerscheinschlößl zusammen um eine Akademische Fliegerschaft zu gründen. Sie trug den Namen „Wieland“, hatte den Wahlspruch „Aufwärts, sonnenwärts“ und die Farben schwarz-silber-rot auf blauem Grund. Die Mütze war weich und kornblumenblau mit Silbervorstoß. Anfangs gab es nur theoretischen Unterricht, besaß die Fliegerschaft doch nur einen Sternmotor und einen Propeller.

Trotzdem war die Fliegerschaft Wieland Mitbegründerin des Akademischen Fliegerringes. Dieser wurde am 28. Oktober 1924 gegründet, umfasste 12 Verbindungen im gesamten deutschen Raum und hatte die Farben schwarz-silber-schwarz, welche am Sprecherband der Akad. F! noch immer enthalten sind. Inzwischen gibt es den Akademischen Fliegerring nicht mehr, da nur mehr ein Mitglied, die Akademische Fliegerschaft Wieland-Staufen, übrig ist.

Die Mitglieder des Akademischen Fliegerringes waren:

  • F! Bavaria zu Würzburg
  • F! Boelcke zu Heidelberg
  • F! Ikarus zu Leipzig
  • F! Lilienthal zu Berlin
  • F! Marcho Silesia zu Breslau
  • Corps Palaio Marcomannia zu Halle
  • F! Preussen zu Königsberg
  • F! Richthofen zu Darmstadt
  • F! Saxo Borussia zu Berlin
  • F! Tuisconia zu Berlin
  • F! Daedalia zu Breslau
  • F! Wieland-Staufen zu Graz

Nicht viel später fand eine zweite Gruppe junger Studenten - mit dem gesellschaftspolitischen und nur traditionsgebundenen akademischen Wesen nicht mehr einverstanden - zusammen, um neue Wege und neue Formen zu finden, den alten Inhalt dabei bewahrend. Sie gründeten deshalb am 15. Oktober 1925 den Verband Völkischer Hochschüler Staufen mit dem Wahlspruch „Deutsch und treu“ und den Farben schwarz-silber-rot auf silbernem Grund und einer weichen, schwarzen Mütze aus Samt.

Am 7. März 1928 kam es zum Zusammenschluss dieser beiden Gruppen zur Akademischen Fliegerschaft Wieland-Staufen. Äußere Zeichen waren zuerst die Farben schwarz-weiß-rot auf silbernem Grund und eine schwarze, weiche Samtmütze mit Silberdurchbruch. 1931 entschied man sich jedoch für die Farben schwarz-weiß-rot auf kornblumenblau-silber und eine kornblumenblaue Mütze mit Silberdurchbruch in weicher Form. Der Wahlspruch der Fliegerschaft lautet bis heute „Aufwärts, sonnenwärts – deutsch und treu“.

Am Anfang standen vor allem die Verbindungsaufnahme mit Fliegerschaften der Weimarer Republik und neben dem Kneipleben der Bau einfacher Fluggeräte im Vordergrund. Letztere erlaubten nach monatelangem Bemühen Luftsprünge von wenigen Metern. Aber auch die studentischen Traditionen wurden intensiv gepflegt. Die Fliegerschaft war am Paukboden wie auch im fliegerischen Bereich vertreten und anerkannt. Auf diesem Gebiet wurden auch einige Pionierleistungen erbracht. Beispielsweise wurde am 7. November 1931 - anlässlich des 7. Stiftungsfestes - das erste Flugzeug, ein Grunaubaby I "Dr. Eckener", in den Dienst gestellt. Mit diesem Flugzeug führte dann im Februar 1932 Bb Dipl.-Ing. Josef Moder den ersten Segelflug über Graz durch, welcher natürlich für großes Aufsehen sorgte. Nur einen Monat später wurde bereits der nächste Flieger in Betrieb genommen, ein selbstgebauter Schulgleiter ESG 29 „Schädelspalter“.

Um die Segelfliegerei auch der breiten Öffentlichkeit näher zu bringen, veranstaltete die Fliegerschaft bereits Anfang der Dreißiger-Jahre Flugtage in Fürstenfeld, in Bad Gleichenberg, in Fladnitz und in Feldbach. Auch stellte sie zusammen mit der Grazer Akaflieg ihre Segelflugzeuge auf der Grazer Messe aus. Beim internationalen Pfingstrundflug 1935 waren Wieland-Staufen sowohl in der Organisation als auch mit Flugvorführungen beim großen Flugtag am Thalerhof tätig.

1931 trennten sich die zwei Verbindungen wieder, da es Unstimmigkeiten bezüglich des Flugbetriebes gab und bestanden als Fliegerschaft Wieland-Staufen und Verband Völkischer Hochschüler Wieland-Staufen fort. Die politischen Ereignisse bereiteten dem Korporationsleben schließlich ein Ende. Im Juni 1933 wurde der Verband Völkischer Hochschüler Wieland-Staufen und am 26. März 1936 die Fliegerschaft aufgelöst. Die Fliegerschaft gründete gemeinsam mit der Akaflieg die Motor- und Segelgruppe 500. Aus dem zweiten Weltkrieg kehrten viele Bundesbrüder nicht mehr zurück und die Verbliebenden hatten unter den Kriegsfolgen schwer zu leiden. Aber die alte Freundschaft und der Gedanke des Lebensbundes führten 1951 einige Alte Herren in Graz wieder zusammen. Die beiden Korporationen vereinigten sich wieder und 1960 konnte nach langem Bemühen dieses Altherrenverbandes wieder ein Aktivenbetrieb aufgenommen werden.

Somit konnte die Akademische Fliegerschaft Wieland-Staufen als einzige Fliegerschaft wieder ein neues Korporationsleben entwickeln. In den folgenden Jahren gab es eine Reihe von Anschaffungen im Flugzeugbereich, 1964 eine K8B „Hugo Eckener“, 1977 einen Astir CS 77 „Wieland“, welche noch immer geflogen wird, und 1983 einen Motorsegler der Type Dimona H36 „Gaudeamus“. Im Oktober 2002 wurde die Fliegerschaft, nach einigen Semestern Beobachterstatus, Mitglied im Vertretertag akademischer Korporationen, einer Interessens- und Arbeitsgemeinschaft zahlreicher freischlagender Korporationen Österreichs.

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